Liebe auf den zweiten Blick

  • 19 October 2013
  • Redakteur
Armero i Adrover Barrique

Wir sind auf der Hühnerfarm der Weine angekommen. Doch wie so oft zählt Oberflächliches nicht, sondern rein die Qualität. Einfach mal ein Auge zudrücken und mit dem anderen Auge die Bodega, mustern. Luis - und nicht zuletzt der Wein - sind ein guter und viel besserer Grund, weshalb man trotz des ersten äußeren, nüchternen Anscheins des Gebäudes zu Armero i Adrover fahren sollte.

Wenn aus dem Hobby Passion wird und später Beruf, ist bei schnellem Handeln schon mal improvisieren angesagt. Ohne Schnörkel steht hier der Wein im Mittelpunkt. Bei unserer Ankunft scheint der Hof verlassen. So machen wir uns auf dem Weg in die lange Lagerhalle. Im Halbdunkel am anderen Ende arbeiten die beiden Angestellten daran, den Immervolltank auf Vordermann zu bringen. Der Immervolltank hat seinen Namen dadurch erhalten, dass die obere und bewegliche Abdeckung stets auf der Oberfläche des Weines schwimmt. Sinkt der Pegel im Fass, sinkt auch der Deckel. So kann der Immervolltank auch mal leer sein. Der, in den wir neugierig hineineinspähen, scheint dringend auf die neuen Weine zu warten. Doch für weitere Informationen über die Bodega, ihre Weine und Neuigkeiten möchten wir die fleißig werkelnden Arbeiter nicht länger stören. Zum unserem Glück schallt von draußen die Frage in die Halle, ob wir die Journalisten aus Deutschland seien – der Chef, Luis Armero, empfängt uns zum Interview. Aber bevor es losgeht, heißt es für uns: zuhören und lernen. Es geht um den Mallorca-Weinführer, und wir werden in unsere erste, eigene Preisverhandlung auf spanisch eingebunden. Das Gespräch entpuppt sich als Herausvorderung, doch mit einer Woche Interviewerprobung auf Mallorca, gelingt uns der Versuch und später fühlen wir uns nicht nur um eine Verhandlungserfahrung reicher, sondern auch der Philosophie der Bodega Armero i Adrover etwas näher.